Pimp your Wall
Lasst uns mit einem kleinen Ausflug in die Vergangenheit starten, in meine 80er Jahre, meine Kindheit. Die Wände unserer damaligen Wohnung waren selbstverständlich tapeziert. Alle. Daran kann ich mich gut erinnern: Nein, keine orangefarbenen Kreise auf hässlich-braunem Grund, sondern filigrane Vögel in zartem Gold und Bleu auf Rosé schmückten unser Wohnzimmer. Wenn ich heute die Fotos sehe: nun ja, sehr speziell. Damals war das en vogue.
Für mein Jugendzimmer durfte ich später selber wählen. Aus heutiger Sicht: Tapete mit Peinlichkeitsfaktor. Rote, kleine Tulpen in Grüppchen mit grünen Stängeln und jeweils einem blauen Vogel. Da existierte die „Vogeltapete“ im Wohnzimmer allerdings nicht mehr. Seid ihr auch mit Tapete aufgewachsen?
Dekoration für die Wände, das war hipp. Da störte es auch nicht, wenn zusätzlich noch ein buntes Bild an der ohnehin schon stark gemusterten Wand hing. Im Zeichen von Geradlinigkeit und dem Weniger-ist-mehr-Prinzip heute eher schwer vorstellbar.
Aber sind weiße Wände wirklich die einzige Alternative? Dauerhaft irgendwie auch öde und nicht besonders wohnlich.
Nach Jahren der farbenfrohen Enthaltsamkeit, darf es nun doch wieder etwas bunter oder gemusterter werden.
Allerdings müssen nicht mehr alle 4 Wände bekleistert werden. Es genügt eine: als Eyecatcher, zur Individualisierung des Raumes, zur Strukturierung einzelner Zonen in großen, offenen Bereichen.
Tapeten als Ausdruck von Individualität und Wohnlichkeit, zur Umsetzung verschiedener Stile. Dänische Gemütlichkeit – der Hygge-Trend zum Beispiel – gelingt mit zarten Natur-, Nude- und Pastelltönen, floralen Dekoren oder dezenten Strukturen.
Es geht auch knall-bunt oder mit großen Motiven im Kinderzimmer, an der Wand hinter der Garderobe im Eingangsbereich oder hinter der Badewanne. Ja, auch das funktioniert! Mit Tapeten, die speziell für Nassräume konzipiert sind.
Ich finde den reduzierten Einsatz von Tapeten für eine abwechslungsreiche und ganz persönliche Raumgestaltung wundervoll. Die Auswahl ist enorm, so dass wirklich jeder das findet, was ihm vorschwebt. Und wenn man genug von dem Muster oder der Farbgebung hat: Tapeten runter, neue rauf. Auf das Runterkratzen ist zwar niemand scharf (Es dauert grundsätzlich länger und das Handgelenk leidet stärker als gedacht.), aber alle paar Jahre kann man das schon mal in Angriff nehmen. Und Mädels: Macht das am besten selber. Wenn das Werk vollbracht ist, könnt ihr stolz sagen: Das habe ich gemacht!
Auch wenn sich der Blog offensichtlich nur an Mädels richtet, finde ich das mit den Tapeten auch als Mann interessant. Muss man bei glatten Tapeten eigentlich unbedingt die alte entfernen oder kann man die nicht übertapezieren? Sicher, das geht nicht ewig. Sonst leidet irgendwann die Wohnfläche…aber eins, zwei Mal sollte das doch gehen oder?
Nö, Männer sind natürlich auch willkommen, sowohl im Blog als auch beim Tapezieren.
Über Papiertapeten, die nicht zu stark strukturiert sind und keine zu großen Farbunterschiede aufweisen, kann man schon einmal tapezieren. Die erste Schicht muss fest auf dem Untergrund haften (das ist eh klar). Zum Glück hat man im neuen Haus ein paar Jahre Ruhe, es sei denn man steht auf regelmäßigen Tapetenwechsel.