Wärmedämmung, Schallschutz, Sicherheit
Ob als Glasfront an der Fassade oder zur Belichtung unterm Dach: Moderne Fenster sind Multitalente und Bauteile mit vielen Funktionen. Fenster sind nicht nur zum Rausschauen da: Ihre Gestaltung prägt den Charakter des Hauses, sie sollen dämmen, Lärm abschirmen und vor Einbrechern schützen. Nebenbei noch im Sommer die Sonnenhitze draußen halten und im trüben Winter selbst die hintersten Winkel der Wohnräume mit Tageslicht versorgen. Und modern gestaltet sollen die Fenster auch noch sein, so dass auch die moderne Fensterdeko nicht zu kurz kommt. Wahre Multitalente also.
Die Zufuhr von Frischluft hingegen kann inzwischen auch komplett die Lüftungsanlage übernehmen, die im Neubau mittlerweile Standard ist. Dann können die Fenster geschlossen, Heizwärme im Haus und Pollen oder andere Allergie-Reize draußen bleiben.
Unter dem Aspekt des Wärme- und Schallschutzes stellen traditionelle Fenster nämlich eine Schwachstelle in der Fassade oder dem Dach dar. Wenn sie weniger gut isoliert und abgedichtet sind als ihre Umgebung, kommt es zu unkontrolliertem Luftwechsel und Wärmeverlusten. Bei Altbauten ist das so gut wie immer der Fall und erfordert bei der Sanierung erheblichen Aufwand. Im Neubau dagegen sollten sich die Fenster von Anfang an nahezu „nahtlos“ in die Gebäudehülle einfügen. Das heißt, sie sollen sich energetisch möglichst wenig von der umgebenden Wand oder dem Dach unterscheiden.
Moderne Fenster sind Hightech-Bauteile
In dieser Hinsicht haben (moderne) Fenster in den vergangenen Jahrzehnten eine geradezu unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Deutlich wird das am Wärmedurchgangskoeffizienten, kurz U- Wert, der die Wärmeverluste eines Bauteils angibt. Je geringer diese sind, desto kleiner ist der U-Wert. Vor 20 Jahren noch hatten durchschnittliche Fenster einen U-Wert von 2,5 W/m²K und mehr, heute liegt die zulässige Grenze im Neubau für Fassadenfenster bei 1,3 und Dachfenster bei 1,4. Es gibt Fenster mit U-Werten unter 1,0, etwa zum Einsatz bei Passivhäusern mit einer energetisch besonders anspruchsvollen Gebäudehülle. Erreicht wird dieser Fortschritt mit einer Optimierung von Rahmen und Verglasung.
Alles im Rahmen
Mit jedem der gängigen Materialien lassen sich Rahmen für sehr guten Wärmeschutz herstellen, es kommt nur auf die Konstruktion an. Um die Dämmwirkung von Holz und Aluminium zu verbessern, werden Rahmen aus diesen Materialien nicht massiv, sondern mit mehreren luftgefüllten Kammern aufgebaut. Für noch bessere U-Werte können die Kammern mit Dämmmaterial gefüllt werden. Bei Aluminiumfenstern ist wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit des Metalls noch die thermische Entkopplung wichtig: Zwischen Innen- und Außenseite des Rahmens befinden sich Stege aus Kunststoff, die den Wärmeabfluss verhindern.
Holz hat in Sachen Wärmeschutz einen natürlichen Vorteil, weil es aus kleinen, luftgefüllten Zellen besteht, die ähnlich den konstruierten Kammern wirken. Statt aus massiven Holzstücken werden moderne Holzrahmen aber aus mehreren miteinander verleimten Lamellen gefertigt. Damit erreicht man höhere Formstabilität und kann problemlos auch sehr große Fenster bauen.
Fassadenfenster haben oft große Glasflächen. Dank cleverer Konstruktionen wirken sie trotz hohem Wärmeschutz filigran.
Materialien für Fensterrahmen im Überblick
Verglasung – Wie gut isolieren moderne Fenster?
Für Neubauten sind mittlerweile Fenster mit Dreifachverglasung Standard, die bis zu 80 Prozent weniger Energieverluste haben als die inzwischen historische Einfachverglasung. Der Aufbau besteht aus drei Glasscheiben – jede etwa vier bis fünf Millimeter dick – mit zwei Scheibenzwischenräumen und einem schmalen Rand aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff; diese sogenannte „warme Kante“ versiegelt die Zwischenräume luftdicht.
Während bei den ersten Mehrfachverglasungen die Zwischenräume noch allein mit Luft gefüllt waren, wird die Dämmwirkung nun mit einer Befüllung von wenig wärmeleitfähigen Edelgasen wie Argon oder Krypton verbessert. Derartige Dreifachverglasungen senken den U-Wert bis auf 0,5.
Dreifachverglasungen bei modernen Fenstern bieten auch einen besseren Schallschutz als zweifach verglaste Modelle. Noch bessere Abschirmung von Verkehrs- oder Baulärm bieten spezielle Schallschutzfenster. Hier kommt bei der Verglasung eine dickere äußere Scheibe zum Einsatz. Durch unterschiedliche Scheibenstärken heben sich Schwingungen zum Teil gegenseitig auf oder werden abgeschwächt, sodass weniger Geräusche ins Hausinnere eindringen können.
Weitere Optionen für die Verglasung sind Sicherheits- oder Sonnenschutzgläser mit spezieller Beschichtung. Für die Sicherheit schließlich spielen auch einbruchhemmende Beschläge und abschließbare Fenstergriffe eine wichtige Rolle.
Besonderheiten von Dachfenstern
Dachfenster machen das oberste Geschoss zu hochwertigem Wohnraum. Smarte Öffnungstechnik ist hier besonders gefragt. Was den Aufbau von Rahmen und Verglasung sowie die Energieeffizienz angeht, gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Fassaden- und Dachfenstern. Aber die Besonderheiten liegen in konstruktiven Details:
• Öffnung: Die klassische Form des Dachfensters ist das Schwingfenster, das sich beim Öffnen um die eigene Mittelachse dreht. Einen freieren Ausblick gewähren Klapp-Schwing-Fenster, bei denen sich das Scharnier am oberen Rand befindet – ähnlich wie ein Kofferraumdeckel beim Auto.
• Bedienung: Für Dachfenster ist eine smarte Steuerung zum Öffnen und Schließen besonders komfortabel. Sensorgesteuert lässt sich auch die Lüftung automatisieren.
• Sonnenschutz: Dachflächen sind besonders stark der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Sonnenschutz ist hier unverzichtbar, damit sich der Wohnraum unterm Dach im Sommer nicht zu stark aufheizt.
Rollläden für mehr Energieeffizienz
Jalousien, Rollläden oder Textilscreens schützen Räume im Sommer vor Überhitzung, sodass der Einsatz von energieintensiven Raumkühlgeräten ganz oder zumindest weitgehend vermieden werden kann. Insbesondere Rollläden sind aber auch in der kalten Jahreszeit als Energiesparhelfer wirksam.
Im geschlossenen Zustand schützt ihr dichter Panzer vor allem in Winternächten vor Wärmeverlusten und bietet so dem Fenster Kälteschutz. Bei Häusern mit älteren Fenstern ist der Effekt am größten, doch selbst bei zeitgemäßen Neubau-Fenstern lässt sich mit Rollläden noch zusätzlich Energie sparen.
Smarte Rollläden empfohlen
Früher stellte oft der Rollladenkasten einen energetischen Schwachpunkt in der Außenwand dar, über den Wärme aus dem Haus entweichen konnte. Heute werden Rollladenkästen entsprechend gedämmt, es gibt spezielle Modelle für den Neubau-Standard. Am größten ist der Effizienzgewinn, wenn Rollläden mit intelligenter Steuerung betrieben werden und sich beispielsweise bei Einbruch der Dunkelheit automatisch schließen.
Mehr zum Thema Haus und Bau finden Sie in jeder Ausgabe mein schönes zuhause°°°.